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Exkursion "Niederösterreich" unserer Abschlussklasse

Weingut Dockner
Externe Verknüpfung www.dockner.at
Donnerstag, 14. November 2019; 10:30 Uhr

Vorbei am wunderschönen Stift Göttweig, erreichten wir mit etwas Verspätung das Weingut Dockner in Horitschon, im südlichen Kremstal.  Im toll gestalteten Kost-u. Verkaufsraum empfing uns ein leger gekleideter Mann, der sich als  Juniorchef „Joe" Dockner ausgab. Mit dem Jahrgangssekt der Sorte „Blanc de Blanc 2014" als Empfangstrunk wurden wir sogleich mit dem Feinsten konfrontiert und ich war schwer beeindruckt.
Das legere Äußere von Joe hätte vielleicht für Irritationen gesorgt, wenn nicht die Eloquenz und die Klarheit seiner Darlegungen während des gesamten Rundganges gewesen wären. Auch die Jugend von Joe und die seines Vaters Josef, der ebenfalls noch unter sechzig ist, dürfte mit ein Geheimnis sein für die zielgerichtete und erfolgreiche Führung des Familienunternehmens, welches noch bis 1985 ein gemischter landwirtschaftlicher Betrieb (mit nur 2,3 ha Weingarten) war.


Eckdaten wie folgende sind bezeichnend:

  • 1 Mio Flaschen pro Jahr (70% Rot, 25% Weiß) 
  • 80 ha eigene Weingärten, 70 ha Vertragsflächen3
  • Hauptsorte GV-DAC-Kremstal, weiters Riesling u. Muskateller 
  • GV u. Riesling werden in 6 Ausbaustufen im Tank vergoren, Chardonnay im Holzfass 
  • Sekt in verschied. Qualitätsstufen, sowie Schnaps werden im eigenen Haus erzeugt, ebenso Säfte aller Art, Sparkling außer Haus. Unterschiedliche Untergründe, wie Lehm-Lös Böden , sandige Lös-Böden als Hauptfläche und Konglomerat/Donauschotter-Böden im Ausmaß von etwa 12 ha lassen jede Menge Spielraum für verschiedenste anerkannte Weinresultate. 
  • Als 2002 Joe von der Weinschule zurück in den elterlichen Betrieb kam, war es an der Zeit durchzustarten.
  • 2012 Installation einer neuen Vinothek und Buschenschank.
  • 2017 Errichtung eines riesigen Kellers bzw. Lagers, das zu 80 % in der Erde liegt. 1.500 Paletten, 900.000 Flaschen zur Lagerung, dauerhafte 12-14°C ohne Kühlung sind das Ergebnis.
  • Durch den modernen Traubenannahmetisch mit Leitungsgefälle, ist ein schonendes Bewegen des Lesegutes möglich.
  • Die Tanks sind mit Fixleitungen verbunden.
  • Eine 20.000 l Presse, sowie kleinere daneben ermöglichen 12.000-40.000 kg Trauben in einem Vorgang zu pressen. 
  • Gelesen wird mit zwei Vollerntern der Marke Pellenc. 
  • In sechs Wochen werden 1,5 Mio. Liter gelesen und verarbeitet. 
  • In sehr heißen Perioden wird von 4:00 bis 10:00 Uhr morgens geerntet. 
  • Spontangärung wird nie angewandt. 
  • Das Frischhalten und Lagern von fertigen Weinen, die auf das Abfüllen warten, ist in riesigen Kühltanks bei etwa 0° C möglich. 
  • Im alten Kellergewölbe findet man 20.000 l Holzfässer im Stückwert von rund 30.000 €.

Diese Dimensionen hinterlassen in mir ein Staunen und Kopfschütteln, das sich aber beim Ganslessen in der eigenen Buschenschank langsam gelegt hat.

Domäne Wachau
Externe Verknüpfung www.domaene-wachau.at
Donnerstag, 14. November 2019; 14:00 Uhr

Gesättigt, zufrieden aber doch schon wieder wissbegierig sind wir am frühen Nachmittag in der Wachau angekommen. Dies ist, so erklärt man uns der 17 km Landstrich zwischen Spitz und Krems mit oft nur 25-50cm Lehm/Lös-Auflage, die wiederum an der so sortentypischen Säureausprägung des Grünen Veltliners mitwirkt.
An die 250 Familien, jede bewirtschaftet ungefähr 1 bis 3 ha  (als Hauptbetrieb nicht lebensfähig) haben sich zusammengetan und beliefern die Domäne zum Weiterverarbeiten und Vermarkten ihrer Trauben. Diese etwa 460 ha oder 3.500 Lots sind somit 1/3 der Weinfläche in der Wachau. Schade, dass uns die Besichtigung der wohl modernsten Traubenverarbeitung in der Domäne nicht möglich war. Die Domäne wurde erstmals 1170 urkundlich erwähnt und gehörte der Kirche. Das barocke nicht überdimensionale Kellerschlössl wurde 1690 errichtet und dürfte damals ein noch überragenderer Eye-Catcher gewesen sein als jetzt. 1938 war noch Graf Starhemberg der Besitzer, der dann aus politischen Gründen zum Verkauf gezwungen wurde. Heute wird es für Kulturveranstaltungen verwendet. Der beeindruckende, weitläufige Weinkeller (10-12° C. / 95 % Luftfeuchte und zum Teil 300 Jahre alt) wurde oft, wie behauptet wird, von Leopold Figl zusammen mit Russlands Außenminister Molotow besucht, wo eventuell unser Staatsvertrag seine Geburtsstunde erlebt hat.
Die Qualitätsrichtlinien der Vinea-Wachau, die 1983 gegründet wurde besagt, dass keine Trauben dazugekauft werden, dass nur von Hand gelesen werden darf, dass nicht aufgezuckert werden darf und die Terrassen gepflegt werden müssen. Wegen Bauvorschriften hat man 2019 die modernste Presshaus vier Stockwerke in die Tiefe gebaut, Pumpen sind nicht notwendig, da alles mit Schwerkraft arbeitet.
Eine Bonitätsbewertung findet bei Anlieferung der Trauben statt, vorher werden wöchentlich die Trauben von Kellermeistern auf Zucker und Reife kontrolliert. 1,50 bis 4 € bzw. 6 bis 10 € für Beerenauslese werden ausbezahlt. Ein Ernteausfall von einzelnen Weinbauern durch Hagel oder ähnliches wird durch die Domäne abgedeckt.


Weingut Högl
Externe Verknüpfung www.weingut-hoegl.at
Donnerstag, 14. November 2019; 16:30 Uhr

In Anbetracht der vorangeschrittenen Dunkelheit war es uns leider nicht mehr möglich die Terrassen in seinem 10 ha großen Weingarten zu besichtigen.
Herr Högl, sein Sohn und 1 ½ Mitarbeiter bewirtschaften 6 ha Steilgarten und 3 ha in Zone4.
Überwiegend wird Grüner Veltliner und zum Teil auch Riesling angebaut, zu 10 % Sauvignon blanc, Chardonnay und Muskateller. Der Begriff „Berg-Wein" kommt hier wohl voll zum Tragen, obwohl Herr Högl meinte, es handelt sich denn doch eher um einen Vermarktungsbegriff. Der Ab Hof-Verkauf beträgt rund 40 % des gesamten Umsatzes, der Rest wird an Spitzengastronomen im In- und Ausland verkauft, 30 % gehen in den Export, sehr beeindruckend.
Wie sollte sich ein Hauben-Lokal wie das „Steirereck" zum Beispiel mit einem Zwutschkerl Weinbaubetrieb wie dem von Herrn Högl je rühmen, wenn nicht über die Qualität dieser Weine. Die Trauben werden klimabedingt etwas später gelesen, GV-Federspiel auch später abgefüllt, Ende Oktober/Anfang November. Die Hauptweine sind GV-Federspiel, GV-Smaragd u. Riesling-Smaragd. GV-Smaragd bleibt 10 Monate auf der Hefe. Großer Wert wird auf sauberstes Lesegut frei von Botrytis gelegt. Auch wird mit Orange-Weinen experimentiert, aber nur nebenbei.
Eigentlich hätte ich ja schon beim Ankommen auf das etwas Besondere schließen können, denn die Dachkonstruktion und der Obergeschoßaufbau deuteten durchaus darauf hin, aber da war ich noch vom Barock-Kellerschlössl und sonst was konditioniert und hab dieses Erscheinungsbild für leicht übertrieben eingestuft.
Dies hat sich dann doch gravierend geändert, als ich gesehen habe, was alles unter dieser Konstruktion Platz hat und ich dann darauf den wunderbaren Verkostungs- und Präsentationsraum durch einen neuen, modernen Aufzug erreichte und förmlich betreten durfte.
Der Raum glänzte durch seine außergewöhnliche Architektur, die geschmackvolle Wandverkleidung aus Holz und den großzügigen, länglichen Verkostungstisch, an dem 24 Personen wie um ein langes Ruderboot herum bequem Platz nehmen können. Ein gelungenes Ergebnis des Architekturbüros Ludescher&Lutz aus Vorarlberg.
Herr Högl hat sich als ganz tiefes Wasser der Önologie herausgestellt, sehr beeindruckt wünschte ich ihm noch viel Erfolg und „frohes Schaffen".


Vetropack Glashütte
Externe Verknüpfung www.vetropack.at
Freitag, 15. November 2019; 09:00 Uhr

Empfangen von Herrn Hirmann wurden wir alle gleich vorweg in einem Vorführraum sicherheitstechnisch unterwiesen und ich wurde schlagartig mit meiner beruflichen Vergangenheit konfrontiert, da ich jahrelang als Sicherheitsvertrauensperson tätig war und all diese Themen kannte.
Vetropack AG  befindet sich im Eigentum einer Schweizer Familie, erwirtschaftet pro Jahr rund 800 Mio. €, erzeugt etwa 5 Mrd. Glasflaschen bei einem Glasverbrauch von 3.300 MT pro Jahr und beschäftigt etwa 3.300 Mitarbeiter aufgeteilt auf mehrere Standorte (Schweiz, Österreich, Tschechien, Slowakei, Ukraine, Ungarn, Kroatien und Italien).
Allein in Österreich, wo in Kremsmünster und Pöchlarn produziert wird, werden bei einer Stückzahl von 1,7 Mrd. Flaschen rund 700 MT Glas verbraucht. Aufgeschmolzen wird farblich getrennt (weiß, grün, braun) in eigenen Schmelzöfen bei 1.700 °C. Es gibt den eigenen Lehrberuf des „Glas-Verfahrenstechnikers".
Verpackungsglas wie es in Pöchlarn eingesetzt wird, wird aus Quarzsand (70 %), Kalk & Dolomit (14 %), Soda(14 %), Läutermittel/Sekundärrohstoffen (2 %) zusammengesetzt und wird in zwei parallel laufenden Schmelzöfen (grün u. weiß) aufgeschmolzen.
Altglas wird bei Weißglas mit 60 %, bei Braunglas mit 75 % und bei Grünglas mit 90 % zugegeben, es entsteht kein Abfall, da alles immer wieder beigemengt und eingeschmolzen wird. Ein großes Problem stellen Verunreinigungen in der Schmelze wie z.B. Keramik dar, weil hier die Schmelztemperatur höher wäre und somit diese unaufgeschmolzenen Teilchen die Düsen verlegen können. Die Lebensdauer dieser Schmelzöfen beträgt rund 14 Jahre, dann ist meist die Schamott-Isolierung durchgebrannt.
Während der Führung, ausgestattet mit Headset für alle, damit die Erläuterungen auch den Letzten in der Reihe klar und deutlich erreichen, erinnerte ich mich an unser Borealis Skill-Center in Linz, wo wir eine ähnliche Technologie beim Aufblasen von PE Flaschen anwendeten, nur eben im Temperaturbereich um 240 °C. Dass die Mitarbeiter ebenfalls wegen der hohen Temperatur am Arbeitsplatz vom Helmtragen ausgenommen sind und ihre Köpfe mit sogenannten Anstoßkappen schützen, kommt mir mehr als bekannt vor. Auch die Gerüche der Schmiermittel, Dämpfe, die moderne Schaltwarte und last but not least die Kantine wo wir alle mit einem ausgiebigen Wienerschnitzel versorgt wurden, war für mich aufregend und ließ mein Herz höher schlagen. Dass Herr Hirmann bei der Verabschiedung mit Irene ein Geschenk für unseren Hausball in Aussicht gestellt hat, war der Letzte von vielen wunderbaren Eindrücken in dieser tollen Firma. 

Whisky Erlebniswelt
 J. HAIDER
Externe Verknüpfung www.whiskyerlebniswelt.at
Freitag, 15. November 2019; 13:00 Uhr

Die Letzte unserer Destinationen war Roggenreith, wir erreichten es nach einer idyllischen Fahrt durch das raue Waldviertel. Die Whiskybrennerei ist die Älteste in Österreich und besteht seit 1995. Der etwas strenge Geruch am Parkplatz vor dem Betrieb wurde von einigen dem ländlichen Raum zugeschrieben, andere meinten die Roggenmaische sei dafür verantwortlich.
Nach einer freundlichen Begrüßung wurden wir in einen originell eingerichteten Vorführsaal im Vintage Stil gelotst, wo wir einen Film über die Entstehung des Betriebes sahen. Dabei wurde uns erklärt, dass J.Haider und seine Familie bei Null begonnen haben und sich all ihr Wissen mehr oder weniger im learning-by-doing Verfahren selbst angeeignet haben. Mutig, tüchtig, kaum zu glauben, ich war sprachlos. Im Film hätte ich mir gewünscht, dass etwas mehr auf die Geheimnisse der Brennerei eingegangen worden wäre, aber dieses Know-how, das hier zusammengetragen wurde, wird man nicht preisgeben wollen. Wie der Name des Dorfes schon sagt, wird hier überwiegend Roggen angebaut. In Österreich wird z.B. mehr Roggen angebaut, als in ganz USA, in Irland gar nicht mehr. Ausreichend reinstes Wasser ist für eine Whiskybrennerei ein Muss, deshalb wurde von J. Haider vor einigen Jahren ein Brunnen geschlagen mit reichlich weichem Wasser (Härtegrad 2) als Resultat.
Im Betrieb werden pro Woche 10.000 l Maische angesetzt, die eine Ausbeute von etwa 1.000 l Whisky bedeuten. Malz wird 72 Stunden eingemaischt, der giftige Vorlauf wird in der Bio-Gasanlage vernichtet. Der gewonnene Whisky kommt in das verplombte 1.000 Eimerlager. Ein Fass hat einen Wert von circa 18.000 €.
Der Whisky wird in unterschiedlichen Füllungen teilgelagert.
1.Füllung: bleibt 3-6 Jahre in einem neuen Fass
2.Füllung: bleibt 5-6 Jahre im gebrauchten Fass
3.Füllung: bleibt 8-12Jahre in gebrauchten Fässern
Um zusätzliche Geschmacksnoten einzubringen z.B. Honignoten, wird Gerstenmalz bei 90 °C, für Nougatnoten bei 95 °C geröstet.

Verschiedene Whiskys werden im animierenden  Verkaufsraum angeboten.

  • Original Rye Whisky J.H.
    Harmonische Mischung aus 60% Roggen und 40% Gerstenmalz
  • Rye Malt J.H.
    100% Roggenmalz, hell geröstet mit fruchtiger Honignote
  • Dark Rye Malt L.H.
    Nougat-Schokolade Töne und kräftig malzig, aus 100% Roggenmalz, dunkel geröstet
  • Single Malt J.H.
    100% Gerstenmalz, hell geröstet: getreidig-malzig mit feinem Karamell
  • Dark Single Malt J.H.
    Geschmeidiges Karamell und würzig, aus 100% Gerstenmalz, dunkel geröstet
  • Getorfte Whiskys
    100% Roggen-oder Gerstenmalz dunkel geröstet, mit Torf geräuchert und gelagert im gebrauchten Süßweinfass
  • Rare Selections
    ausgewählte Abfüllungen, die in gebrauchten Weinfässern gelagert wurden
  • Gin & Wodka
  • Edle Brände & Liköre

Leider konnte ich mich zu keinem Kauf hinreißen lassen, obwohl die Versuchung in diesen stilvollen Räumlichkeiten extrem groß war. Für die entspannte und sichere Heimreise zeichnete das Reisebusunternehmen Koller verantwortlich, mit denen ich gerne wieder einmal eine so abwechslungsvolle und interessante Reise erleben möchte.

Heinz-Peter Wimmer
Silberberg, 19. November 2019

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